Alfons Gaisbauer

musikantenparade

Spielt Alphornjazz mit den Bückeburger Jägern unter Leitung von Georg Wolff

Das Alphorn – ein Schweizer Instrument? - Seite 4

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Das Alphorn – ein Schweizer Instrument?
Bau eines Alphorns
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Das Alphorn kann als Prototyp der Blasinstrumente gelten. Während alle anderen Blasinstrumente im Laufe der Zeit technische Weiterentwicklungen erfuhren, hat es bis heute seine ursprüngliche Form beibehalten. Heutige Alphörner sind im Durchschnitt ca. 3,5m lang und ihre Länge bestimmt die eine Tonart, in der sie spielbar sind. Die Hörner früherer Zeiten waren nur etwa halb so lang wie die heutigen. Dementsprechend waren auf ihnen auch meist nur halb so viele Töne spielbar. Auf dem Alphorn kann man nicht wie z.B. auf einem Klavier eine komplette Tonleiter spielen, sondern nur ca. 12 Töne der sogenannten Naturtonreihe.

Allgemein wird angenommen, dass die Bezeichnung Alphorn vom Namen der Alpen abgeleitet ist. Aufgrund der Verbreitung der Hörner weit über diese hinaus erscheint jedoch eine andere Ableitung besser angebracht und gerechtfertigt: nämlich von dem Begriff Alp, Alpe, Alm, die oberhalb eines Bergdorfes liegende Wiese zum Weiden des Viehs. In ganz Europa gab es früher Alphörner in unterschiedlichsten Formen, leider starben sie fast völlig aus - auch in der Schweiz! War das Alphorn früher einmal ein einfaches Signalinstrument so hat es sich in den letzten Jahren zum vollwertigen Musikinstrument entwickelt, das seinen Platz nicht nur in der volkstümlicher Musik, sondern in allen heute gängigen Musikstilen hat. Offensichtlich regt das Alphorn die Phantasie vieler Bastler und Handwerker an, kuriose Instrumente außerhalb der gängigen Formen zu bauen. Es gibt Hörner aus von der Natur stark verkrümmten und verknorrten Baumstämmen, in Trompeten- Posaunen- Tuba- und Saxophonform, aus Blech, Glas, Kunststoff und Pappmasche. Das längste Alphorn der Welt misst 47m.

Freiligrath, Ferdinand: Gedichte, Stuttgart 1845, S.122

Nef, Karl: Das Alphorn, Basel 1936, S.74

Aus Franz Schüssele: Alphorn und Hirtenhorn in Europa – Buch mit CD 35,50 (ohne 25 Eu) Alphorn-Center, Jahnstr. 8, 77948 Friesenheim Tel+Fax 07821/61472

In der Steiermark

Blasen gegen wilde Frauen

So berichtet der legendäre Erzherzog Johann am 27. August 1810 in seinem Tagebuch anlässlich einer Reise in die Obersteiermark über das Alphorn in der Steiermark, das dort als Wurz- oder Wurzelhorn bezeichnet wird. Der Name leitet sich von der Tatsache ab, dass die Hörner allgemein zum Schutz gegen Beschädigung mit meist halbierten Wurzelfasern umwickelt wurden. Sie bestehen nicht etwa aus ausgehöhlten Wurzeln, wie man vielleicht irrtümlicherweise vermuten könnte. Aus dem Ort Oberzeiring bei Judenburg sind gerade Alphörner aus der Zeit des Erzherzogs Johann überliefert, die auf Schloss Eggenberg zu festlichen Anlässen geblasen wurden.94)

Die Instrumente wurden in gerader, gekrümmter und gewundener Form wie bei einer Trompete gebaut. Vor allem im Ennstal scheinen die Wurzhörner, deren Form mit der des Schweizer Büchels übereinstimmt, heimisch gewesen zu sein. Sie wurden anscheinend, wie etlichen Bild- und Notendokumenten zu entnehmen ist, mit Vorliebe zu zweit gespielt.

Im Landschaftsmuseum zu Schloss Trautenfels findet man auf alten Truhen aus dem Ennstal Schnitzereien aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit paarweise geblasenen Wurzhörnern.

Ebenso zeigt ein Ölgemälde aus Schladming aus dem Jahre 1906 die dortigen Alphornbläser ebenfalls paarweise nebeneinanderstehend, so dass man an-nehmen kann, dass auf dem Wurzhorn wohl einfache zweistimmige Melodien geblasen wurden. Eine von dem steirischen Volksliedforscher Dr. Josef Pommer in den 1840er Jahren aufgezeichnete, in Schladming geblasene Weise, ein sogenannter Wurzhorner oder Blaser, stützt diese These.

Aufzeichnung eines Wurzhorners oder Blasers in den 1840er Jahren in Schladming (Ennstal),

notiert von Dr. Josef Pommer im Jahre 1898.

Interessant an dieser Melodie ist, dass sich durch das Kreuzen der beiden Stimmen zwei verschiedene, eigenständige Melodien ergeben. Spielt man die beiden jedoch gleichzeitig auf dem Klavier, so ist nur eine Linie mit einer parallelen Unterterz zu hören, die aus nur zwei verschiedenen benachbarten Tönen besteht und musikalisch wenig Sinn macht. Dies legt die Vermutung nahe, dass die beiden Hörner räumlich gegeneinander gespielt wurden und dadurch wahrscheinlich eine Art Stereoeffekt bewirkt wurde. Ein Foto aus Schladming um 1906 zeigt zwei gleich gebaute und gleich große Wurzhörner.

Dem Volksglauben nach sollen die Instrumente mit ihrem magischen Klang sogar böse Geister vertrieben haben. Aus dem Ennstal wird hierzu im Jahre 1819 berichtet: Ungefähr fünf Stunden von Schladming entfernt ist die Ursprungalpe; auf dieser sind auch die drei Wildfrauenlöcher, aus denen man vor vielen Jahren immer die Wildfrauen hervorkommen sah, welche jedoch weggezogen, seit dem das Wurzelhornblasen aufgekommen ist.95)

Dem Blasen der Flatschen, wie die kleine Form des Alphorns in der Steiermark genannt wird, wurde die gleiche Wirkung zugeschrieben.

Die Instrumente müssen vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in der Steiermark stark verbreitet gewesen sein. Das Volkskundliche Museum und das Joanneum in Graz sind im Besitz ca. eines halben Dutzends steirischer Wurzhörner aus dem 17. und 18. Jahrhundert, alle aus Fichtenholz gefertigt teils in Trompeten-, teils in Schlaufen- und teils in gerader, achteckiger Form. Die Instrumente sind zwischen 98 und 365 cm lang. Die langen, geraden Hörner wurden von H. Kogler, St. Radegund bei Graz nach ihrer historischen Vorlage nachgebaut und werden von den Mürztaler Alphornbläsern heute wieder geblasen. Sie sind 3 m lang.

Um 1910 soll es nach Augen- bzw. Ohrenzeugenberichten allein in der Ramsau 12 bis 15 Wurzhörner gegeben haben. Ende der 1960er Jahre baute Hans Rainer in Gaishorn im Paltental als erster wieder Alphörner.

Gegen Ende der 1980er Jahre begann der Ramsauer Schreiner Robert Obergruber Alphörner zu bauen. anlässlich des Dachstein-Jubiläums im Jahre 1992 wurde das Alphorn, allerdings nicht in der alten steirischen, sondern in der modernen Schweizer Form durch Zusammenarbeit des örtlichen Fremdenverkehrsamtes und des Seniorenbundes mit großem Erfolg in der Ramsau wieder zu neuem Leben erweckt, allerdings nicht in der heimischen Flatschenform, sondern in der allerseits bekannten Schweizer Bauweise.